Die Geschichte der Ungerechtigkeit
1950 fiel die Volksrepublik China in Tibet ein.
Der Dalai Lama, das politische und religiöse Oberhaupt Tibets, strebte ein friedliches Zusammenleben mit den Besetzern an. Doch die Vorherrschaft Chinas trug von Anbeginn an kolonialistische Züge. Unter dem militärischen Druck der Volksbefreiungsarmee unterzeichneten Repräsentanten des 14. Dalai Lama und Chinas in Peking ein Abkommen zur Bestätigung der Souveränität Chinas über Tibet. Und so begann die chinesische Regierung im heutigen, neu geschaffenen Autonomen Gebiet Tibet die religiösen und sozialen Systeme an den Pranger zu stellen und die gesellschaftliche Kultur chinesisch zu formen. Die tibetische Volksgruppe sollte so zur Minderheit in der eigenen Heimat und ihre Kultur und Sprache marginalisiert werden. Und so kam es in den 50er Jahren zu Unruhen.
Ausschlaggebend waren die Geschehnisse im Jahre 1959. Die chinesische Führung behandelte den mittlerweile erwachsenen Dalai Lama mit offener Pietätlosigkeit. Der tibetische Widerstand gipfelte in einem Volksaufstand bei dem zwischen März und Oktober allein in Zentraltibet 87.000 Zivilisten den Tod fanden.
Zusammen mit 100.000 Tibetern floh der Dalai Lama nach Indien und bat dort um politisches Asyl. Nach den ersten demokratischen Wahlen in der Geschichte Tibets verkündet das Oberhaupt die tibetische Verfassung und begann im Exil mit der Arbeit. Er prangerte die für sein zurückgebliebenes Volk unwürdigen Zustände an und begann einen friedlichen Kampf für die Befreiung von der unterdrückenden Fremdherrschaft.
Mit dem Ende der maoistischen Regierung schien sich in den 70er Jahren eine Besserung der Situation anzubannen. Deng Tsiao Ping übernahm die chinesische Herrschaft und gab sich für die Missstände und Wünsche der Tibeter offen, doch der Schein trog. Ab September 1987 gelangten wiederholt Informationen über gewaltsame Demonstrationen in Tibet durch westliche Touristen an die Weltöffentlichkeit. Die chinesischen Behörden reagierten darauf, indem sie erstmalig in der tibetischen Geschichte das Kriegsrecht über Teile des besetzten Landes verhängten. 1987 machte der Dalai Lama einen Vorschlag zur Annäherung an China in Form eines Fünf-Punkte-Abkommens. Die chinesische Regierung wies den Plan zurück und beschuldigte das tibetische Oberhaupt, die Kluft zwischen ihnen nur noch zu vergrößern und bezichtigte ihn, die Spaltung des Vaterlandes vorantreiben zu wollen.
Die Gesprächsrunden zwischen Vertretern der Exilregierung und der chinesischen Führung führten bis heute zu keinerlei erkennbaren Veränderungen in der Tibetpolitik der Volksrepublik China. Der völkerrechtliche Status des besetzten Landes ist auf internationalem Podium nach wie vor umstritten. Das Europäische Parlament legte 1992 in einer Resolution fest, dass das tibetische Volk ein Volk im Sinne des Völkerrechts ist und ihm das Recht auf Selbstbestimmung zustehe. Weiters verurteilte es die militärische Besetzung Tibets durch die chinesischen Truppen. Groß verändert hat sich seither nichts.
Die Verzweiflung der tibetischen Bevölkerung reicht ins Unermessliche. Bis heute sind über 135.000 Tibeter ins Exil geflohen und der Flüchtlingsstrom scheint nicht abbrechen zu wollen.